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Presse
23.10.2008, 14:23 Uhr | Übersicht | Drucken
Schule für die Zukunft - CDU Stadtverband Ulm

Unter dem Titel „Schule für die Zukunft“ fand am 22.10.2008 ein weiterer interessanter Vortrags- und Diskussionsabend des CDU-Stadtverbandes statt. Barbara Münch begrüßte als Mitglied des Arbeitskreises Bildung die Referenten und Diskussionsteilnehmer sowie die zahlreichen Gäste im Vortragssaal der Sparkasse Ulm-Mitte und führte in das Thema ein.


Auf dem Podium nahmen Platz: Kultusminister Helmut Rau, Oberbürgermeister Ivo Gönner, die Ulmer Gesamtelternbeiratsvorsitzende Sabine Schuler, der Geschäftsführende Schulleiter der Ulmer Grund-, Haupt – und Realschulen Jürgen Volz, die Geschäftsführende Schulleiterin der Ulmer Gymnasien Brigitte Röder, der Ortsvorsitzende der GEW Michael Weis und als Moderator Willi Böhmer von der Südwest Presse Ulm.

Zu Beginn seines Eingangsreferats stellte Kultusminister Helmut Rau den Leitgrundsatz der Schulpolitik des Landes heraus, der da heiße: „Kein Abschluss ohne Anschluss“. In diesem Zusammenhang wies er auf die besondere Bedeutung der beruflichen Schulen und das duale System hin. In den Statistiken erschiene nur die Abiturientenquote. Die Schulabgänger der beruflichen Schulen würden statistisch vernachlässigt. Tatsächlich läge die Quote der Hochschulzugangsberechtigungen bei 50 % eines Jahrgangs. Minister Rau erläuterte in seinen weiteren Ausführungen die künftige Bildungs- und Schulpolitik des Landes im Rahmen der 500 Millionen teuren Bildungsoffensive. Im Wesentlichen beruhe diese auf vier Säulen. Das sei einmal die Qualitätsentwicklung, zumal die Qualität des Unterrichts. Dazu würde der Klassenteiler Schritt für Schritt um 5 herabgesetzt werden. Zur Qualitätsentwicklung trage ebenso die vorgesehene Evaluation der Schulen sowie der Ausbau von Beratungen in den Schulen bei. Die Sprachförderung nehme, so Rau, die zentrale Rolle ein. Als zweite wichtige Säule sieht Minister Rau die Übertragung von mehr Selbständigkeit auf die Schulen. Damit die Schulen eigenverantwortlicher handeln könnten, ist beabsichtigt, die Zeit für Leitungsfunktionen um 20 % aufzustocken. Damit sollen die Schulen die Möglichkeit erhalten, auch inhaltliche Konzepte weiterzuentwickeln. Mehr Eigenverantwortung beinhalte gleichfalls, Personal verstärkt selber auswählen zu können, zusätzliche Angebote mit anderen Partnern zu schaffen und außerschulische Bildung in die Schulen zu bringen. Die dritte wichtige Säule der Schulpolitik des Landes bilde, so Rau, die künftige Personalentwicklung. So werde ein neues Führungskräftekonzept ausgearbeitet. Das Führungskräftepotential müsse besser ausgeschöpft, mehr Führungsangebote geschaffen werden, damit auch die Besten für Leitungsfunktionen rekrutiert werden könnten. Ein entscheidender Baustein für die Schulpolitik des Landes, die vierte Säule, sei schließlich, so Minister Rau, die Weiterentwicklung der Hauptschule. Diese brauche künftig ein Bildungskonzept mit starker Berufsorientierung. Grundsätzlich müssten die Stärken der Schüler gefördert werden. Vorrangiges Ziel müsse es sein, die Hauptschule grundsätzlich mit der Mittleren Reife abschließen zu können. Dies bedeute nach der 9. Klasse Hauptschulabschluss und nach der 10. Klasse Abschluss mit Mittlerer Reife.

Im Verlauf der Podiumsdiskussion wurden dann die unterschiedlichen Interessenspositionen deutlich, insbesondere zu Klassenteiler und zur 6-jährigen Grundschule. Oberbürgermeister Ivo Gönner hob, wie schon Minister Rau, zunächst den hohen Stellenwert der beruflichen Schulen hervor. Das duale System habe sich bestens bewährt und sei einmalig in Europa. Gönner plädierte darüber hinaus für die stärkere Zusammenführung von Kindergarten und Grundschule. Die Kinder müssten früher gemeinsam und länger zusammen lernen. Wie schon Minister Rau begrüßt er zweizügige Hauptschulen mit der Möglichkeit, nach der 10. Klasse einen mittleren Bildungsabschluss zu erlangen. Die Stadt werde, so Gönner im Übrigen auf die anstehenden Veränderungen, insbesondere im Hinblick auf die demografische Entwicklung, angemessen reagieren. Sabine Schuler, die Ulmer Gesamtelternbeiratsvorsitzende, forderte eine schnelle Umsetzung eines kleineren Klassenteilers. Dieses Thema brenne auf den Nägeln. In die Berechnung des Klassenteilers dürften, so Schuler, die Klassenteiler der Privatschulen nicht einbezogen werden. Der Bezirksvorsitzende der GEW, Weis, forderte einen Klassenteiler von 25 und weniger. Jürgen Volz, der geschäftsführenden Schulleiter der Ulmer Grund-, Haupt-, und Realschulen sieht dringenden Bedarf bei der Sprachförderung und sprach sich für ein verpflichtendes, möglichst beitragsfreies, letzte Kindergartenjahr aus. Für ihn mache es, so Volz weiter, keinen Sinn, Hauptschule und Realschule zusammenzulegen. Er könne sich jedoch eine Hauptschule als Praxisschule mit mittlerem Bildungsabschluss vorstellen. Die geschäftsführende Schulleiterin der Ulmer Gymnasien, Brigitte Röder, plädierte, im Gegensatz zu Michael Weis, der sich sogar für eine gemeinsame Schule bis zum 15. Lebensjahr aussprach, klar gegen eine 6-jährige Grundschule. Schon zu Ende der vierten Klasse seien erhebliche Leistungsunterschiede festzustellen. Weder die Begabten, noch die weniger Talentierten, würden von einem längeren Zusammensein profitieren. Insgesamt brächten bei längerem Zusammenlernen alle weniger Leistung. Auch bräuchten die Gymnasien, so Röder weiter, nicht unbedingt eine Senkung des Klassenteilers. Die Qualität einer Schule definiere sich vor allem über die Qualität seiner Lehrer und des Unterrichts. In diesem Zusammenhang forderte Röder die Stärkung der Naturwissenschaften ein.

Der Ulmer CDU-Vorsitzende Dr. Thomas Kienle bedankte sich in seinem Schlusswort bei dem Organisationsteam, den Herren Berndt und Pacchiaffo, bei den Diskussionsteilnehmern, bei Herrn Willi Böhmer für die Moderation und bei der Sparkasse Ulm für die Überlassung des Vortragssaals und versprach den zahlreich erschienenen Besuchern, das Thema Bildung mit weiteren Veranstaltungen zu besetzen.

Dr. Bertram Holz, Pressereferent


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