Wissenschaftsminister Peter Frankenberg diskutiert an der Universität Ulm zum Bologna-Prozess
Auf Einladung der CDU Ulm war am 20.Juli 2010 im Rahmen der Veranstaltungsreihe 90 Minuten Politik Prof. Dr. Peter Frankenberg, Minister des Landes Baden-Württemberg für Wissenschaft und Kunst, zu einer Podiumsdiskussion nach Ulm gekommen.
Nach der Begrüßung durch den Stadtverbandsvorsitzenden Dr. Thomas Kienle sprach der Präsident der Universität Ulm, Prof. Dr. Ebeling, ein Grußwort. Mit auf dem Podium, das von Willi Böhmer, Redakteur der SÜDWESTPRESSE, moderiert wurde, waren neben dem Minister der Vizepräsident der Universität Ulm, Prof. Ulrich Stadtmüller, und der Medizinstudent Marc Grathwohl.
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In seiner kurzen Einführung erläuterte Minister Frankenberg den Ausgangspunkt der Reform. Die Hochschullandschaft sei nach der Bolognareform durch staatliche Reglementierungen auf der Basis von Rahmenprüfungsordnungen für die unterschiedlichen Studiengänge geprägt gewesen. Diese ließen den Hochschulen wenig eigenen Gestaltungsspielraum und wurden im Rahmen des Bologna-Prozesses durch ein Qualitätssicherungssystem der Akkreditierung von Studiengängen, das den Hochschulen mehr Freiheit geben sollte, aber auch zu einer hohen Individualisierung der Studiengänge führte, ersetzt worden.
Der Minister wies darauf hin, dass der der Dialog mit allen Beteiligten über die Reform zu konkreten Nachregulierungen führen werde. Um Vergleichbarkeit und Mobilität zu gewährleisten, müsse stärker als bisher auf gemeinsame Inhalte geachtet werden. Um den Wechsel an ausländische Hochschulen zu erleichtern, sollten zwischen den Hochschulen Kooperationen vereinbart werden, wie es schon an der Universität Mannheim geschehen sei.
Generell müsse darauf geachtet werden, dass die Studiengänge nicht durch zu viele Modulprüfungen überfrachtet würden.
Prof. Stadtmüller, Vizepräsident und für die Lehre an der Uni Ulm zuständig, bemerkte, dass die Uni Ulm vor drei Jahren mit der Umstellung auf das Bachelor/Mastersystem begonnen habe und seitdem in engem Kontakt mit den Studenten stünde, um bei Problemen durch Änderungen der Prüfungsordnungen nachsteuern zu können. Er erkannte an, dass es Prüfungs- und Notenstress gäbe. Auch die Angst um das Weiterkommen, sei es im Hinblick auf einen Masterstudienplatz oder auch in Bezug auf die Akzeptanz des Bachelors in der Wirtschaft, spüre er bei den Studenten. Was die Studierfähigkeit anbelangt, ist Prof. Stadtmüller der Meinung, dass durch die zunehmend unterschiedlichen Voraussetzungen, die die Studenten mitbringen würden neue Konzepte beispielsweise von Einführungsveranstaltungen erprobt werden sollten.
Marc Grathwohl hatte sich im Vorfeld mit anderen Studenten und dem Lehrpersonal getroffen und über die aktuelle Situation diskutiert. Er berichtete, dass die Gespräche gezeigt hätten, dass eine Universität ein komplexes System sei und ein Kurswechsel deshalb einige Zeit brauche. Im Detail erklärte er, dass die Umstellung bei den Unterrichtenden nicht überall gleich verlaufe, dass mehr Unterstützung durch das Ministerium gewünscht würde und dass das Ziel einer europaweit größeren Mobilität teilweise noch nicht einmal in Baden-Württemberg erreicht würde. Er wies darauf hin, dass durch die starke Verschulung und das große Stoffpensum Studenten, die sich ihr Studium ganz oder teilweise selbst finanzieren müssten, den Spagat zwischen Lernen und Nebenjob kaum schaffen würden.
In der anschließenden Diskussion wurde von den Studenten immer wieder der gestiegene Prüfungsdruck, der sich auch in einem größeren Bedarf an psychosozialer Unterstützung ausdrückt, thematisiert.
Lösungsmöglichkeiten wären hier, dass Modulprüfungen in den ersten Semestern nicht in die Bachelorabschlussnote einfließen müssten, dass Prüfungen zusammengefasst würden und dass Klausuren nicht als einzige Form der Bewertung herangezogen würden.
Ein Anliegen der Anwesenden war auch die Abschaffung der Studiengebühren. Insbesondere finanziell schwächer gestellte Studenten würden jetzt noch stärker belastet, denn dadurch, dass die Semesterferien vermehrt auch für Prüfungen genutzt werden, sei auch die Ausübung eines Ferienjobs schwieriger geworden. Bafög und ein Stipendienprogramm könnten hier Abhilfe schaffen.
Gerhard Bernt , Organisator 90-Minuten-Politik
Barbara Münch, Vorsitzende AK Bildung CDU Alb-Donau/Ulm
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